Archiv für den Monat März 2013

Frankfurt, Frankfurt, Frankfurt, Frankfurt … (2)

Es ist echt schlimm: Ist einmal der Samen ausgesät und findet er fruchtbaren Boden, dann fängt er auch an zu wachsen. In meinem Hirn hat er einen solchen Boden gefunden. Denn es ist ja nicht so, dass ich mich nicht vorher schon mit den Frankfurts außerhalb Deutschlands befasst habe, weiß, dass es noch mehr als die bereits erwähnten und erlaufenen Frankfurts gibt – auch die in den USA. Selbst, wenn die sich Frankfort schreiben.

Wenn dann allerdings auch ein mir nahestehender Mensch diese Möglichkeiten beziehungsweise Ziele erwähnt und meint, ich solle dorthin laufen, dann hat die Idee bereits den Status des Keims erreicht. Da ist der Glaube und das Vertrauen eines Menschen in das Schaffen eines solchen Vorhabens, in mich. Das ist schön und tut gut, zeigt mir, dass es sich vielleicht nicht nur um ein Hirngespinst handelt.

Zwar muss ich nun noch an dem eigenen Selbstvertrauen arbeiten, aber mit jeder weiteren Auseinandersetzung wächst die Pflanze. Heute Morgen beim QiGong habe ich zwei Stunden den Weg und die Möglichkeiten durchgespielt – natürlich erst einmal nur gedanklich. Und so absurd wie ich gestern geschrieben habe, ist das alles überhaupt nicht. Es bedarf einer intensiven Vorbereitung, Planung und professionellen Beratung. Das ist klar.
Bisher hatte ich mich aus Respekt vor den Wegen ja zurückgehalten, doch jetzt und heute erscheint es mir machbar. Mal sehen, was morgen ist.

Allerdings kamen heute beim Stehen auch allerhand Ängste diesbezüglich in mir hoch, die mich ordentlich durchgeschüttelt haben. Das sind nicht mehr die „Spaziergänge“ durch Deutschland, das wird eine existenzielle Angelegenheit, die enden kann. – Wie, muss ich wohl jetzt noch nicht ausschreiben.

Das Festhalten der Gedanken ist auf jeden Fall schon einmal der Beginn einer Auseinandersetzung, an deren Ende sich zeigen wird, ob es tatsächlich eines Tages zum Start kommt. Das wird ein längerer Prozess – für den Weg selbst muss man wohl ein bis anderthalb Jahre einrechnen. Das wäre der Hammer.

Frankfurt, Frankfurt, Frankfurt, Frankfurt … (1)

„Ihr Brüllen ist noch immer gehemmt. Das ist allerdings
ganz natürlich, da Sie sich von so vielem befreien müssen.“
(aus Saul Bellows Roman „Der Regenkönig“)

Jetzt wo ich mir Frankfurt als großes Ziel gewählt habe, solle ich auch nach Frankfurt laufen, sagte mein Vater in einem Telefonat diese Woche. Er meinte ein Frankfurt in Amerika. Allerdings gibt es dort drei gleich Orte mit dem Namen: ein Frankfort in Kentuckey, eines in der Nähe von Chicago, in Illinois, und das dritte nördlich von Indianapolis, in Indiana. Erst wenn ich dort ankomme, werde ich Frieden finden, so seine Überzeugung.

Gute Idee. Allerdings werde ich dafür auch einige Zeit aufhören müssen zu arbeiten – gerade dann, wenn ich als Ausgangspunkt wie bisher Berlin wähle. Ich muss dann in eine französische Hafenstadt laufen und von dort versuchen, mit einem Frachtschiff über den Atlantik zu setzen. Eine andere Möglichkeit ist es, erst ganz Russland zu durchqueren und dann vom östlichsten Teil nach Alaska überzusetzen. Bei der Vorstellung wächst mir einfach ein breites Grinsen ins Gesicht: Ist das nicht alles etwas absurd?

Mit Frankfurt als Ziel habe ich aber vielleicht auch die Möglichkeit beziehungsweise das Ziel, auf die russischen Hall Inseln zu müssen. Dort befindet sich Kap Frankfurt. Ein ziemlich einsamer und karger Ort, wie ich auf Bildern gesehen habe. Und schwer erreichbar. Selbst mit Schiff.

Okay, träumen wird man ja wohl noch dürfen. Aber wer weiß, was noch alles möglich ist. Frieden würde ich garantiert dabei finden – vielleicht auch, ohne das Ziel zu erreichen. Einfach irgendwo unterwegs.

Geheimnisvolles in Hangelsberg

„We’ll be in this race until the very end“
The Strokes

Es mag daran liegen, dass ich Westler bin. Ich kenne solche Plätze beziehungsweise Bauten nicht. Mag sie auch nicht. Und trotzdem geht von ihnen ein Reiz aus, fesseln sie mich manchmal. Manchmal so sehr, dass ich wissen möchte, was dahinter steckt, was es damit auf sich hat, was dort passiert ist.

Auf der Wanderung von Berlin nach Frankfurt (Oder) waren dies zwei Plätze in Hangelsberg. Wobei ich klarstellen muss: Hangelsberg ist schön, friedlich und sehr idyllisch. Und zumindest zwei Bewohner sind äußerst nett und hilfsbereit. Hier geht es um zwei Orte im Ort.

So steht direkt am Sportplatz des SG Hangelsberg 47 e.V. ein schlanker Betonturm, der sich ähnlich wie ein Röhrenaal aus dem Bodengrund in die Höhe streckt. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um einen ehemaligen Wachturm aus DDR-Zeiten. Heute sind darauf die Antennen eines Mobilfunkdienstleister montiert.

Der Verein hieß früher mal Betriebssportgemeinschaft Traktor Hangelsberg. Zu der Zeit hatte er einen schweren russischen Traktor im Vereinsemblem. Die 47 bezieht sich auf das Gründungsjahr: 1947. All das ist schön in einem Artikel der Vereinszeitung dokumentiert und auf der Webseite nachlesbar.

Dort ist auch vermerkt, dass der heutige Sportplatz früher ein Feld war, also ein landwirtschaftlich genutztes. Und es wird eine NVA Dienststelle erwähnt. Mehr aber auch nicht. Über den Turm steht nirgends etwas geschrieben – er ist auch auf keinem der veröffentlichten Bilder zu sehen.

Genauso wenig wird ein noch mit verfallenen Häusern existierendes Areal auf der anderen Seite der Bahnstrecke Berlin-Frankfurt (Oder) erwähnt.

Hangelsberg

An das Gelände gab es aber mal eine Eisenbahnanbindung, die ehemalige Gleisführung ist trotz der inzwischen wuchernden Vegetation noch zu erkennen. Die Gleise selbst wurden entfernt. Aus der Bahnanbindung schließe ich, dass dort mal etwas größeres gewesen sein muss – immerhin wollte man ab- oder antransportieren können. Eine Fabrik vielleicht? Vielleicht auch ein Kasernengelände?

Nun vielleicht ist es das: Über eine Webseite, die sich mit dem Raketen- und Waffentechnischen Dienst im Kommando des Militärbezirks III befasst, finde ich eine Liste mit Objekten der NVA (Herausgeber der Seite ist nach eigenen Aussagen ein Absolvent der Offiziershochschule der Landstreitkräfte „Ernst Thälmann“, Sektion Truppenluftabwehr, Abschlussjahrgang 1972). Danach hat sich in Hangelsberg das Kfz-Gerätelager 22 befunden – Tarnname Damenschneider, 28,1 Hektar groß. Das würde passen. Unterstellt wäre das Lager dann dem Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) gewesen

Aber mal sehen, ich habe die Gemeinde auch noch einmal dazu angeschrieben, sodass es es hier vielleicht noch einen Nachtrag gibt.

Ab auf die höchsten Berge – an nur einem Nachmittag

Wer nicht all die Strapazen auf sich nehmen kann, sie nicht auf sich nehmen will und nicht den Anspruch hat, selbst einmal auf den höchsten Gipfeln dieser Erde zu stehen, der kann dies nun immerhin virtuell tun.

Google hat diese Woche in einem Blog-Beitrag verkündet, dass über den unternehmenseigenen Kartendienst Google Maps nun „Expeditionen“ auf den Aconcagua in Südamerika, den Kilimanjaro in Afrika, den Elbrus im Kaukasus und ins Basislager des Mount Everest möglich sind.

Welch netter Zeitvertreib…

6.000 Kilometer durch Europa: der Jizoweg

In der Wochenzeitung „Die Zeit“, Ausgabe No. 49 vom 29.November letzten Jahres – ja, mit manchen Rubriken hänge ich etwas hinterher -, gab es auf Seite 80 im Reise-Teil ein interessantes Interview mit Dirk Beemster über meditatives Wandern und die hohe Kunst der Ziellossigkeit.

Zur Ziellosigkeit bzw. in den Zustand Nichts wollen zu wollen (ist irgendwie ein Widerspruch, ich weiß, irgendwie aber auch nicht) will uns auch mein Karatelehrer begleiten. Immer wieder und mehrmals pro Trainingseinheit sagt er: „Lasst alles los, macht euch von allem frei.“

Nun, das klappt mal besser, mal schlechter, wirkt sich inzwischen aber trotzdem auf mein gesamtes Leben aus. Allerdings soll es hier ja nun um das Interview gehen.

Also: Der Niederländer Beemster hat nämlich einen buddhistischen Pilgerweg entwickelt, der 6.000 Kilometer durch die Niederlande, Belgien, Frankreich und Deutschland führt. Außerdem gibt es kleine Abstecher nach Spanien und Italien. Der Weg heißt „Jizoweg„.

In dem Gespräch mit Andreas Mayer sagt er dann so wunderbare Sätze, die auch für mich das Gehen ausmachen. Ein Beispiel: „Beim Zen ist nur das Unterwegssein wichtig. Es kommt auf jeden einzelnen Schritt an, auf die Achtsamkeit.“ Oder: „Letztlich geht es natürlich um eine innere Befreiung oder, noch deutlicher: um die Erleuchtung.“

Das Ziel spielt bei all dem nicht die entscheidende Rolle. Eine Erfahrung, die ich auch auf meinen bisherigen Wanderungen gemacht habe. Die Ziele habe ich mir immer nur gesteckt, um unterwegs zu sein und Gehen zu können.

Übrigens: Laut wikipedia wird Jizō unter anderem zu den Gottheiten der Reisenden und Wege, den Dōsojin, gezählt.

Hier geht es zum gesamten Interview „Ganz entspannt ins Hier und Jetzt“.

Bilder von letzter Woche: Berlin – Frankfurt (Oder)

Sonnenallee West

Sonnenallee West

Sonnenallee Ost

Sonnenallee Ost

Fußball Ost

Fußball Ost

Wohnen Ost

Wohnen Ost

Müggelsee

Müggelsee

noch einmal der Müggelsee hinter dem maritim gestrichenen Haus

noch einmal der Müggelsee hinter dem maritim gestrichenen Haus

der Müggelsee auf der anderen Seite des maritim gestrichenen Hauses

der Müggelsee auf der anderen Seite des maritim gestrichenen Hauses

bei Erkner: die Verbindung zwischen Dämeritzsee und Flakensee

bei Erkner: die Verbindung zwischen Dämeritzsee und Flakensee

schwer lesbar, was da auf dem Haus steht: Alte Liebe

schwer lesbar, was da auf dem Haus steht: Alte Liebe

garantiert tiefgefroren

garantiert tiefgefroren

dieses Örtchen verdankt der Eisenbahn viel

dieses Örtchen verdankt der Eisenbahn viel

schön, wenn man es hat

schön, wenn man es hat

Kärtchen geschickt vor langer Zeit...

Kärtchen geschickt vor langer Zeit…

nur mal so

nur mal so

abends waren die Schneeflocken dann wie das Glitzern einer Dicokugel

abends waren die Schneeflocken dann wie das Glitzern einer Dicokugel

Tiefschnee, die Wasserränder an den Wanderschuhen zeugen noch heute davon

Tiefschnee, die Wasserränder an den Wanderschuhen zeugen noch heute davon

Ruhe 1

Ruhe 1

Ruhe 2

Ruhe 2

unschwer zu erkennen: Bäume

unschwer zu erkennen: Bäume