Archiv der Kategorie: walk2realize

Frankfurt in Barcelona

Frankfurt

Nicht ganz das Thema des Blogs, aber doch eines der letzten Tage und Monate.

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Frankfurt, Frankfurt, Frankfurt, Frankfurt … (2)

Es ist echt schlimm: Ist einmal der Samen ausgesät und findet er fruchtbaren Boden, dann fängt er auch an zu wachsen. In meinem Hirn hat er einen solchen Boden gefunden. Denn es ist ja nicht so, dass ich mich nicht vorher schon mit den Frankfurts außerhalb Deutschlands befasst habe, weiß, dass es noch mehr als die bereits erwähnten und erlaufenen Frankfurts gibt – auch die in den USA. Selbst, wenn die sich Frankfort schreiben.

Wenn dann allerdings auch ein mir nahestehender Mensch diese Möglichkeiten beziehungsweise Ziele erwähnt und meint, ich solle dorthin laufen, dann hat die Idee bereits den Status des Keims erreicht. Da ist der Glaube und das Vertrauen eines Menschen in das Schaffen eines solchen Vorhabens, in mich. Das ist schön und tut gut, zeigt mir, dass es sich vielleicht nicht nur um ein Hirngespinst handelt.

Zwar muss ich nun noch an dem eigenen Selbstvertrauen arbeiten, aber mit jeder weiteren Auseinandersetzung wächst die Pflanze. Heute Morgen beim QiGong habe ich zwei Stunden den Weg und die Möglichkeiten durchgespielt – natürlich erst einmal nur gedanklich. Und so absurd wie ich gestern geschrieben habe, ist das alles überhaupt nicht. Es bedarf einer intensiven Vorbereitung, Planung und professionellen Beratung. Das ist klar.
Bisher hatte ich mich aus Respekt vor den Wegen ja zurückgehalten, doch jetzt und heute erscheint es mir machbar. Mal sehen, was morgen ist.

Allerdings kamen heute beim Stehen auch allerhand Ängste diesbezüglich in mir hoch, die mich ordentlich durchgeschüttelt haben. Das sind nicht mehr die „Spaziergänge“ durch Deutschland, das wird eine existenzielle Angelegenheit, die enden kann. – Wie, muss ich wohl jetzt noch nicht ausschreiben.

Das Festhalten der Gedanken ist auf jeden Fall schon einmal der Beginn einer Auseinandersetzung, an deren Ende sich zeigen wird, ob es tatsächlich eines Tages zum Start kommt. Das wird ein längerer Prozess – für den Weg selbst muss man wohl ein bis anderthalb Jahre einrechnen. Das wäre der Hammer.

Frankfurt, Frankfurt, Frankfurt, Frankfurt … (1)

„Ihr Brüllen ist noch immer gehemmt. Das ist allerdings
ganz natürlich, da Sie sich von so vielem befreien müssen.“
(aus Saul Bellows Roman „Der Regenkönig“)

Jetzt wo ich mir Frankfurt als großes Ziel gewählt habe, solle ich auch nach Frankfurt laufen, sagte mein Vater in einem Telefonat diese Woche. Er meinte ein Frankfurt in Amerika. Allerdings gibt es dort drei gleich Orte mit dem Namen: ein Frankfort in Kentuckey, eines in der Nähe von Chicago, in Illinois, und das dritte nördlich von Indianapolis, in Indiana. Erst wenn ich dort ankomme, werde ich Frieden finden, so seine Überzeugung.

Gute Idee. Allerdings werde ich dafür auch einige Zeit aufhören müssen zu arbeiten – gerade dann, wenn ich als Ausgangspunkt wie bisher Berlin wähle. Ich muss dann in eine französische Hafenstadt laufen und von dort versuchen, mit einem Frachtschiff über den Atlantik zu setzen. Eine andere Möglichkeit ist es, erst ganz Russland zu durchqueren und dann vom östlichsten Teil nach Alaska überzusetzen. Bei der Vorstellung wächst mir einfach ein breites Grinsen ins Gesicht: Ist das nicht alles etwas absurd?

Mit Frankfurt als Ziel habe ich aber vielleicht auch die Möglichkeit beziehungsweise das Ziel, auf die russischen Hall Inseln zu müssen. Dort befindet sich Kap Frankfurt. Ein ziemlich einsamer und karger Ort, wie ich auf Bildern gesehen habe. Und schwer erreichbar. Selbst mit Schiff.

Okay, träumen wird man ja wohl noch dürfen. Aber wer weiß, was noch alles möglich ist. Frieden würde ich garantiert dabei finden – vielleicht auch, ohne das Ziel zu erreichen. Einfach irgendwo unterwegs.

Ab auf die höchsten Berge – an nur einem Nachmittag

Wer nicht all die Strapazen auf sich nehmen kann, sie nicht auf sich nehmen will und nicht den Anspruch hat, selbst einmal auf den höchsten Gipfeln dieser Erde zu stehen, der kann dies nun immerhin virtuell tun.

Google hat diese Woche in einem Blog-Beitrag verkündet, dass über den unternehmenseigenen Kartendienst Google Maps nun „Expeditionen“ auf den Aconcagua in Südamerika, den Kilimanjaro in Afrika, den Elbrus im Kaukasus und ins Basislager des Mount Everest möglich sind.

Welch netter Zeitvertreib…

6.000 Kilometer durch Europa: der Jizoweg

In der Wochenzeitung „Die Zeit“, Ausgabe No. 49 vom 29.November letzten Jahres – ja, mit manchen Rubriken hänge ich etwas hinterher -, gab es auf Seite 80 im Reise-Teil ein interessantes Interview mit Dirk Beemster über meditatives Wandern und die hohe Kunst der Ziellossigkeit.

Zur Ziellosigkeit bzw. in den Zustand Nichts wollen zu wollen (ist irgendwie ein Widerspruch, ich weiß, irgendwie aber auch nicht) will uns auch mein Karatelehrer begleiten. Immer wieder und mehrmals pro Trainingseinheit sagt er: „Lasst alles los, macht euch von allem frei.“

Nun, das klappt mal besser, mal schlechter, wirkt sich inzwischen aber trotzdem auf mein gesamtes Leben aus. Allerdings soll es hier ja nun um das Interview gehen.

Also: Der Niederländer Beemster hat nämlich einen buddhistischen Pilgerweg entwickelt, der 6.000 Kilometer durch die Niederlande, Belgien, Frankreich und Deutschland führt. Außerdem gibt es kleine Abstecher nach Spanien und Italien. Der Weg heißt „Jizoweg„.

In dem Gespräch mit Andreas Mayer sagt er dann so wunderbare Sätze, die auch für mich das Gehen ausmachen. Ein Beispiel: „Beim Zen ist nur das Unterwegssein wichtig. Es kommt auf jeden einzelnen Schritt an, auf die Achtsamkeit.“ Oder: „Letztlich geht es natürlich um eine innere Befreiung oder, noch deutlicher: um die Erleuchtung.“

Das Ziel spielt bei all dem nicht die entscheidende Rolle. Eine Erfahrung, die ich auch auf meinen bisherigen Wanderungen gemacht habe. Die Ziele habe ich mir immer nur gesteckt, um unterwegs zu sein und Gehen zu können.

Übrigens: Laut wikipedia wird Jizō unter anderem zu den Gottheiten der Reisenden und Wege, den Dōsojin, gezählt.

Hier geht es zum gesamten Interview „Ganz entspannt ins Hier und Jetzt“.

Der Fischer am Landwehrkanal

Es sei ein wenig wie ein Überraschungsei, immer spannend was da wohl am Haken hänge. Dies sagt ein Mann mittleren Alters, dem Ansatz einer Vokuhila-Frisur, mit Brille und schlichter Kleidung. Ich sehe ihn bei einem Spaziergang am Landwehrkanal. Er steht an dem einen Ende der Lohmühlenbrücke mit einem Seil in der Hand.

Er überquert die Brücke, zieht das Seil aus dem Wasser, wechselt die Brückenseite und wiederholt das Durchziehen des Seils. Als ich noch ein wenig entfernt bin und nichts genau erkennen kann, denke ich: Vielleicht lässt er seinen Hund da schwimmen und sichert ihn mit seinem Seil. Zumindest ist mein Interesse geweckt. Also gehe ich zu ihm und frage, was da an der Schnur hänge, ein Hund ist nämlich nicht zu sehen.

Häuser hinter dem Landwehrkanal

Häuser hinter dem Landwehrkanal

Er lasse sich überraschen. Letztens habe er einen nagelneuen Fahrradrahmen am am Seil befestigten Haken hängen gehabt. 1.000 Euro habe der gebracht.  Irgendwas „fische“ er irgendwie immer. An dieser Brücke hat er diesmal kein Glück. Das will aber nichts für den Tag heißen. Es kommen ja noch einige weitere Brücken, an denen er die Angelprozedur wiederholen wird.

Die beste Zeit zum „Fischen“ sei übrigens der Juli und August, sagt er. Da würden die Menschen nachts allerhand Kram in den Kanal schmeißen. Und auch gerade jetzt sei eine gute Zeit, nachdem das Gewässer wieder eisfrei ist. Ist der Kanal zugefroren, stellen Berlins Bewohner allerhand Kram auf die Eisfläche, manchmal ganze Wohnzimmergarnituren, um es sich bequem zu machen. Auf den Einfall das Eis nach der Ruhepause wieder abzuräumen, kommen sie freilich nicht, sodass zahllose Gegenstände bei der Schmelze auf den Grund absinken.