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Geheimnisvolles in Hangelsberg

„We’ll be in this race until the very end“
The Strokes

Es mag daran liegen, dass ich Westler bin. Ich kenne solche Plätze beziehungsweise Bauten nicht. Mag sie auch nicht. Und trotzdem geht von ihnen ein Reiz aus, fesseln sie mich manchmal. Manchmal so sehr, dass ich wissen möchte, was dahinter steckt, was es damit auf sich hat, was dort passiert ist.

Auf der Wanderung von Berlin nach Frankfurt (Oder) waren dies zwei Plätze in Hangelsberg. Wobei ich klarstellen muss: Hangelsberg ist schön, friedlich und sehr idyllisch. Und zumindest zwei Bewohner sind äußerst nett und hilfsbereit. Hier geht es um zwei Orte im Ort.

So steht direkt am Sportplatz des SG Hangelsberg 47 e.V. ein schlanker Betonturm, der sich ähnlich wie ein Röhrenaal aus dem Bodengrund in die Höhe streckt. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um einen ehemaligen Wachturm aus DDR-Zeiten. Heute sind darauf die Antennen eines Mobilfunkdienstleister montiert.

Der Verein hieß früher mal Betriebssportgemeinschaft Traktor Hangelsberg. Zu der Zeit hatte er einen schweren russischen Traktor im Vereinsemblem. Die 47 bezieht sich auf das Gründungsjahr: 1947. All das ist schön in einem Artikel der Vereinszeitung dokumentiert und auf der Webseite nachlesbar.

Dort ist auch vermerkt, dass der heutige Sportplatz früher ein Feld war, also ein landwirtschaftlich genutztes. Und es wird eine NVA Dienststelle erwähnt. Mehr aber auch nicht. Über den Turm steht nirgends etwas geschrieben – er ist auch auf keinem der veröffentlichten Bilder zu sehen.

Genauso wenig wird ein noch mit verfallenen Häusern existierendes Areal auf der anderen Seite der Bahnstrecke Berlin-Frankfurt (Oder) erwähnt.

Hangelsberg

An das Gelände gab es aber mal eine Eisenbahnanbindung, die ehemalige Gleisführung ist trotz der inzwischen wuchernden Vegetation noch zu erkennen. Die Gleise selbst wurden entfernt. Aus der Bahnanbindung schließe ich, dass dort mal etwas größeres gewesen sein muss – immerhin wollte man ab- oder antransportieren können. Eine Fabrik vielleicht? Vielleicht auch ein Kasernengelände?

Nun vielleicht ist es das: Über eine Webseite, die sich mit dem Raketen- und Waffentechnischen Dienst im Kommando des Militärbezirks III befasst, finde ich eine Liste mit Objekten der NVA (Herausgeber der Seite ist nach eigenen Aussagen ein Absolvent der Offiziershochschule der Landstreitkräfte „Ernst Thälmann“, Sektion Truppenluftabwehr, Abschlussjahrgang 1972). Danach hat sich in Hangelsberg das Kfz-Gerätelager 22 befunden – Tarnname Damenschneider, 28,1 Hektar groß. Das würde passen. Unterstellt wäre das Lager dann dem Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) gewesen

Aber mal sehen, ich habe die Gemeinde auch noch einmal dazu angeschrieben, sodass es es hier vielleicht noch einen Nachtrag gibt.

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Bilder von letzter Woche: Berlin – Frankfurt (Oder)

Sonnenallee West

Sonnenallee West

Sonnenallee Ost

Sonnenallee Ost

Fußball Ost

Fußball Ost

Wohnen Ost

Wohnen Ost

Müggelsee

Müggelsee

noch einmal der Müggelsee hinter dem maritim gestrichenen Haus

noch einmal der Müggelsee hinter dem maritim gestrichenen Haus

der Müggelsee auf der anderen Seite des maritim gestrichenen Hauses

der Müggelsee auf der anderen Seite des maritim gestrichenen Hauses

bei Erkner: die Verbindung zwischen Dämeritzsee und Flakensee

bei Erkner: die Verbindung zwischen Dämeritzsee und Flakensee

schwer lesbar, was da auf dem Haus steht: Alte Liebe

schwer lesbar, was da auf dem Haus steht: Alte Liebe

garantiert tiefgefroren

garantiert tiefgefroren

dieses Örtchen verdankt der Eisenbahn viel

dieses Örtchen verdankt der Eisenbahn viel

schön, wenn man es hat

schön, wenn man es hat

Kärtchen geschickt vor langer Zeit...

Kärtchen geschickt vor langer Zeit…

nur mal so

nur mal so

abends waren die Schneeflocken dann wie das Glitzern einer Dicokugel

abends waren die Schneeflocken dann wie das Glitzern einer Dicokugel

Tiefschnee, die Wasserränder an den Wanderschuhen zeugen noch heute davon

Tiefschnee, die Wasserränder an den Wanderschuhen zeugen noch heute davon

Ruhe 1

Ruhe 1

Ruhe 2

Ruhe 2

unschwer zu erkennen: Bäume

unschwer zu erkennen: Bäume

Im Ziel bereits wieder ein Ziel im Blick

Wann? Gestern Nachmittag. Wo? Okay, das ist klar ersichtlich. Und nicht vergessen: Sich einfach mal hängenlassen und entspannen.

Frankfurt an der Oder

Und was wären Wege ohne neue Ideen: Nach den beiden Strecken Berlin-Frankfurt/Main und Berlin-Frankfurt/Oder gibt es für mich eigentlich nur ein logisches nächstes Ziel. Naja, vielleicht sind es auch drei…

Mühseliger Weg in Richtung Ziel

Die gesamte letzte Nacht hatte es geschneit und in der Früh war die Temperatur auf leicht über Null angestiegen. Der Schnee war tief, nass und schwer. Das machte das Gehen heute sehr anstrengend. Zum Teil sank ich bei jedem Schritt bis kurz unter die Knie ein. An vielen Wegabschnitten wären gut gewachste Langlaufskier oder Schneeschuhe optimal gewesen.

Die Wolken schienen zum Teil bis in die Baumwipfel hinabgesunken zu sein und begünstigten das innere Zwiegespräch zwischen den Polen Ehrgeiz und Bequemlichkeit. Bequemlichkeit wählte das Argument: Wenn man Dinge freiwillig tut, sollten sie dann nicht zu jedem Zeitpunkt Spaß machen? Der Ergeiz erwiderte, dass es um das Erreichen des Ziels gehe, und dass es auf derartigen Wegen auch Unannehmlichkeiten zu überwinden gebe. Das Gefühl am Ende würde alle Strapazen wett machen und Belohnung sein.

Ehrgeiz setzte sich trotz schmerzender Fußsohlen durch – ansonsten waren dies mal drei Tage schmerzlosen Laufens. Eine Alternative hätte es letztendlich allerdings sowieso nicht gegeben. Ich lief wie gestern durch endlose Wälder, nur, dass sie heute wunderschön waren – und sogar hügelig. Ausstiegsstationen waren niemals in Sicht.

Und schließlich kam ich in das Frankfurt im Osten Deutschlands. Allerdings wurde mir bewusst, dass ich nicht den Bezug zu dieser Stadt habe wie zu Frankfurt am Main. Ist halt nicht die Heimat.

Die Sonne scheint im Rücken

Trotz eines kalten Gegenwinds aus dem Osten und trotz der Tatsache, dass beim Gehen in Richtung Osten die Sonne die meiste Zeit des Tages im Rücken steht: Wem es egal ist, ob er Berlin in Richtung Süden oder den Osten verlässt, sollte die letzte Variante wählen. (Es sei denn, man hat die Chance an der Havelchausee in Berlin zu starten, um dann am Wannsee entlang in den Park Babelsberg zu gelangen. Auch dieser Weg ist wunderschön und idyllisch.)

Prinzipiell gibt es aber in Richtung Frankfurt an der Oder mehr zu sehen, mit Leben erfüllte Bezirke. Ich kam durch die schöne Altstadt von Köpenick, lief durch Friedrichshagen, den Müggelseee entlang, Berlins größtem See. Kam nach Rahnsdorf mit seinem Neu Venedig und Wilhelmshagen. Interessant war es mal wieder festzustellen, wie lange es gedauert hat, um aus Berlin zu kommen – etwa acht Stunden mit Pausen. Weiter ging es durch Erkner, die erste Stadt in Brandenburg. Später dann noch Fangschleuse und Grünheide (Mark).

Entlang des Müggelssee fiel auf, dass an den meisten Häusern blaue Streifen von Stoff oder Müllsäcken hingen. Eine Protestaktion gegen den neuen Flughafen mitsamt seinen Flugrouten, wie mir einer der Bewohner erklärte. Er geht davon aus, dass der jetzige Neubau – insofern er mal fertig wird – nur der Anfang ist, es noch zwei weitere Terminals folgen werden.

Dass würde dann nicht nur Spaß und Kopfschütteln über viele weitere Jahre an Pannen bedeuten. Für die Bewohner hieße es: Überflüge im unter 2-Minuten Takt. Allerdings ist es wie immer bei derartigen Projekten: die Lebensqualität irgendwelcher Stadtbewohner bzw. Bezirke wird immer negativ beeinflusst. Sind es nicht die Müggelseebewohner, sind es andere.

In Köpenick, direkt an der Spree, bekam ich von einer Frau mit zwei kleinen Kindern den Tipp für ein sehr schönes Cafe,das Milchcafe. Mmh, Kirsche mit Streusel. Es liege am Roten Platz. Ja, Köpenick habe auch einen Roten Platz, sagte sie. 

Der erst einmal schön klingende Mügelschlösschenweg in Köpenick ist übrigens nur von Plattenbauten gesäumt. Davor geht es irgendwie durch das chilenische Viertel, mit der Pablo-Neruda- und der Salvador-Allende-Straße.

Frankfurt oder Frankfurt?

Erwähne ich hier in Berlin in Gesprächen die Stadt Frankfurt, wird entweder davon ausgegangen, dass ich Frankfurt an der Oder meine, noch öfter wird aber nachgefragt, von welchem Frankfurt ich rede: Main oder Oder? Das ist in meiner Heimatstadt Frankfurt am Main ganz anders. Frankfurt an der Oder hat man dort überhaupt nicht auf dem Plan. Ich wage auch mal zu behaupten, dass kaum einer meiner Freunde und Bekannten schon einmal dort war – überhaupt kaum jemand durch die östlichen Bundesländer gereist ist. Einige waren sicher mal in Leipzig oder Dresden, die Mehrzahl sieht jedoch überhaupt keine Veranlassung, in Richtung Osten zu reisen – von Berlin mal abgesehen.

19. Januar 2013 - das Ziel Frankfurt am Main ist erreicht

19. Januar 2013 – das Ziel Frankfurt am Main ist erreicht

Da ist immer noch die vorwendliche Barriere im Kopf. In unserer Kindheit und Jugend wurde nur in Richtung Westen gedacht. Das war auch bei mir so. Wenn es in den Urlaub ging, dann nach Frankreich, Spanien, England, Italien. Oder halt irgendein Fernziel. Bei mir hat sich das Bewusstsein auch erst mit meinem Umzug von Köln nach Berlin erweitert. Seit zehn Jahren bin ich viel durch die östlichen Bundesländer gereist, habe mir viele Städte, Dörfer und Gegenden angesehen – wenn auch nicht alle, die ich gerne gesehen hätte.

Laut wikipedia gibt es in Deutschland übrigens noch zwei weitere geographische Objekt mit dem Namen Frankfurt: Ein Ortsteil von Markt Taschendorf in Bayern heißt demnach genauso Frankfurt wie ein Ortsteil von Wanzleben-Börde in Sachsen-Anhalt.