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Schuhe für jede Gelegenheit

Ob ich einen Schuhtick habe, fragte mich C. vor einigen Tagen, als sie bemerkt hatte, dass sich ein weiteres Paar Stiefel in die schon bestehende Gruppe geschmuggelt hatte. Natürlich nicht, meinte ich, aber für die kommende Gletschertour brauche ich halt zumindest bedingt steigeisenfeste Schuhe – solche der Kategorie C.

Schon bei meiner Antwort wird mir bewusst, dass ich nun fast genauso antworte wie ansonsten sie: Ich brauche Schuhe für feuchtes Wetter, ein leichtes und luftiges Paar für sonnige Tage, leichte, aber dafür etwas feinere für den Fall, dass wir mal ausgehen… Die Liste ließe sich jetzt beliebig fortführen, ein Paar für jede nur erdenkliche Situation.

Bei mir ist es hingegen erst das dritte Paar. Zumindest für das Gehen im Outddor-Bereich. Außer meinem Borneo-Paar von Meindl, dass ich seit vielen Jahren für fast sämtliche Gelegenheiten nutze und das auch vollkommen ausreichend für eine ausgiebige und mehrtägige Schneeschuhtour im 3000er-Bereich im letzten Jahr war, ist letzten Herbst noch der Dakota Winter GTX von Hanwag für meine Tour von Berlin nach Frankfurt am Main dazugekommen. Mal abgesehen von den Blasen zu Beginn der Wanderung, hat der Schuh sich damals bestens bewährt. Er ist relativ leicht, hält warm und hatte mit keinem Untergrund Probleme – von der Straße bis hin zu wilden Walddurchquerungen hat er alles bestens überstanden, zu keiner Zeit fühlte ich mich in ihm unsicher.

SchuheNun ist noch der Cervedale Pro GTX von Lowa dazugekommen. Zehn unterschiedliche Schuhe hatte ich aus- und anprobiert bis ich die Entscheidung getroffen hatte. „Schau, welcher Schuh am besten sitzt, am Spann, in der Ferse, im Bereich der Zehen. Der Preis sollte bei der Auswahl keine Rolle spielen. Hilft ja nichts, wenn du später Schmerzen oder noch ganz andere Probleme bekommst“, sagte der fachkundige Verkäufer. Glücklicherweise hatte ich Zeit mitgebracht.

Ein ganzer Wagen mit Kartons kam und ich konnte testen, ausprobieren und rumlaufen. Krass, wie viel unterschiedliche Schnürsysteme es gibt. Nun hoffe ich, dass tatsächlich beste Paar für mich gefunden zu haben. Allerdings hatte ich nach dem Anprobiermarathon bereits die ersten Blasen. Allerdings nicht an den Füßen, sondern an den Fingern von dem ständigen Festziehen und Öffnen. Das geht ja gleich wieder gut los…

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Frankfurt, Frankfurt, Frankfurt, Frankfurt … (2)

Es ist echt schlimm: Ist einmal der Samen ausgesät und findet er fruchtbaren Boden, dann fängt er auch an zu wachsen. In meinem Hirn hat er einen solchen Boden gefunden. Denn es ist ja nicht so, dass ich mich nicht vorher schon mit den Frankfurts außerhalb Deutschlands befasst habe, weiß, dass es noch mehr als die bereits erwähnten und erlaufenen Frankfurts gibt – auch die in den USA. Selbst, wenn die sich Frankfort schreiben.

Wenn dann allerdings auch ein mir nahestehender Mensch diese Möglichkeiten beziehungsweise Ziele erwähnt und meint, ich solle dorthin laufen, dann hat die Idee bereits den Status des Keims erreicht. Da ist der Glaube und das Vertrauen eines Menschen in das Schaffen eines solchen Vorhabens, in mich. Das ist schön und tut gut, zeigt mir, dass es sich vielleicht nicht nur um ein Hirngespinst handelt.

Zwar muss ich nun noch an dem eigenen Selbstvertrauen arbeiten, aber mit jeder weiteren Auseinandersetzung wächst die Pflanze. Heute Morgen beim QiGong habe ich zwei Stunden den Weg und die Möglichkeiten durchgespielt – natürlich erst einmal nur gedanklich. Und so absurd wie ich gestern geschrieben habe, ist das alles überhaupt nicht. Es bedarf einer intensiven Vorbereitung, Planung und professionellen Beratung. Das ist klar.
Bisher hatte ich mich aus Respekt vor den Wegen ja zurückgehalten, doch jetzt und heute erscheint es mir machbar. Mal sehen, was morgen ist.

Allerdings kamen heute beim Stehen auch allerhand Ängste diesbezüglich in mir hoch, die mich ordentlich durchgeschüttelt haben. Das sind nicht mehr die „Spaziergänge“ durch Deutschland, das wird eine existenzielle Angelegenheit, die enden kann. – Wie, muss ich wohl jetzt noch nicht ausschreiben.

Das Festhalten der Gedanken ist auf jeden Fall schon einmal der Beginn einer Auseinandersetzung, an deren Ende sich zeigen wird, ob es tatsächlich eines Tages zum Start kommt. Das wird ein längerer Prozess – für den Weg selbst muss man wohl ein bis anderthalb Jahre einrechnen. Das wäre der Hammer.

Frankfurt, Frankfurt, Frankfurt, Frankfurt … (1)

„Ihr Brüllen ist noch immer gehemmt. Das ist allerdings
ganz natürlich, da Sie sich von so vielem befreien müssen.“
(aus Saul Bellows Roman „Der Regenkönig“)

Jetzt wo ich mir Frankfurt als großes Ziel gewählt habe, solle ich auch nach Frankfurt laufen, sagte mein Vater in einem Telefonat diese Woche. Er meinte ein Frankfurt in Amerika. Allerdings gibt es dort drei gleich Orte mit dem Namen: ein Frankfort in Kentuckey, eines in der Nähe von Chicago, in Illinois, und das dritte nördlich von Indianapolis, in Indiana. Erst wenn ich dort ankomme, werde ich Frieden finden, so seine Überzeugung.

Gute Idee. Allerdings werde ich dafür auch einige Zeit aufhören müssen zu arbeiten – gerade dann, wenn ich als Ausgangspunkt wie bisher Berlin wähle. Ich muss dann in eine französische Hafenstadt laufen und von dort versuchen, mit einem Frachtschiff über den Atlantik zu setzen. Eine andere Möglichkeit ist es, erst ganz Russland zu durchqueren und dann vom östlichsten Teil nach Alaska überzusetzen. Bei der Vorstellung wächst mir einfach ein breites Grinsen ins Gesicht: Ist das nicht alles etwas absurd?

Mit Frankfurt als Ziel habe ich aber vielleicht auch die Möglichkeit beziehungsweise das Ziel, auf die russischen Hall Inseln zu müssen. Dort befindet sich Kap Frankfurt. Ein ziemlich einsamer und karger Ort, wie ich auf Bildern gesehen habe. Und schwer erreichbar. Selbst mit Schiff.

Okay, träumen wird man ja wohl noch dürfen. Aber wer weiß, was noch alles möglich ist. Frieden würde ich garantiert dabei finden – vielleicht auch, ohne das Ziel zu erreichen. Einfach irgendwo unterwegs.

6.000 Kilometer durch Europa: der Jizoweg

In der Wochenzeitung „Die Zeit“, Ausgabe No. 49 vom 29.November letzten Jahres – ja, mit manchen Rubriken hänge ich etwas hinterher -, gab es auf Seite 80 im Reise-Teil ein interessantes Interview mit Dirk Beemster über meditatives Wandern und die hohe Kunst der Ziellossigkeit.

Zur Ziellosigkeit bzw. in den Zustand Nichts wollen zu wollen (ist irgendwie ein Widerspruch, ich weiß, irgendwie aber auch nicht) will uns auch mein Karatelehrer begleiten. Immer wieder und mehrmals pro Trainingseinheit sagt er: „Lasst alles los, macht euch von allem frei.“

Nun, das klappt mal besser, mal schlechter, wirkt sich inzwischen aber trotzdem auf mein gesamtes Leben aus. Allerdings soll es hier ja nun um das Interview gehen.

Also: Der Niederländer Beemster hat nämlich einen buddhistischen Pilgerweg entwickelt, der 6.000 Kilometer durch die Niederlande, Belgien, Frankreich und Deutschland führt. Außerdem gibt es kleine Abstecher nach Spanien und Italien. Der Weg heißt „Jizoweg„.

In dem Gespräch mit Andreas Mayer sagt er dann so wunderbare Sätze, die auch für mich das Gehen ausmachen. Ein Beispiel: „Beim Zen ist nur das Unterwegssein wichtig. Es kommt auf jeden einzelnen Schritt an, auf die Achtsamkeit.“ Oder: „Letztlich geht es natürlich um eine innere Befreiung oder, noch deutlicher: um die Erleuchtung.“

Das Ziel spielt bei all dem nicht die entscheidende Rolle. Eine Erfahrung, die ich auch auf meinen bisherigen Wanderungen gemacht habe. Die Ziele habe ich mir immer nur gesteckt, um unterwegs zu sein und Gehen zu können.

Übrigens: Laut wikipedia wird Jizō unter anderem zu den Gottheiten der Reisenden und Wege, den Dōsojin, gezählt.

Hier geht es zum gesamten Interview „Ganz entspannt ins Hier und Jetzt“.