Archiv für den Monat Dezember 2012

Die Vorbereitungen laufen

Im Kopf läuft die Vorbereitung für unsere Wanderung von Berlin nach Frankfurt/Main ständig ab. Seit das Startdatum steht, arbeitet es in mir, spiele ich Szenarien durch, mit denen wir auf dem Weg konfrontiert werden könnten.

Ich stelle mir einzelne Wegabschnitte vor, habe vor Augen, wie wir neben- oder hintereinander laufen, Hügel rauf und auf der anderen Seite wieder runter, wie wir an Flüssen entlang wandern, um an eine Brücke zu kommen, Unterquerungen von Autobahnen suchen. Andere Male gehen wir durch kleine Ortschaften, werden von den Bewohnern hinter Gardinen beobachtet. Oder wir laufen einen ganzen Tag lang durch einen Wald, bekommen dabei kaum Licht ab.

Manchmal sehe ich unsere Rucksäcke vor Bäckereien stehen, wir hocken drinnen und trinken warmen Kaffee, haben außerdem nach heißem Wasser für unsere Thermosflaschen gefragt. Ich frage mich, wie es sein wird, wenn wir morgens aus unseren Schlafsäcken kriechen und es regnet, wie es sein wird, in die klammen und kalten Stiefel zu steigen. Überhaupt: Wie werden wir uns in den veranschlagten zwei Wochen verstehen?

Falls so etwas im Vorfeld geklärt werden kann: Wir sollten überlegen, was wir machen, sollte einer von uns unterwegs krank werden. Läuft dann der andere von uns alleine weiter? Werden wir es überhaupt körperlich schaffen?

Aber: Wir befinden uns in Deutschland. Wir können zwar mit dem Vorhaben scheitern, aber wir sind nicht aus der Welt, sondern umringt von Zivilisation. Obwohl mein Bruder meinte: Geht was schief, können einem 20 Kilometer verdammt weit vorkommen.

Neben all den Gedanken, die ich mir so mache, kann man natürlich auch konkret planen. Zum Beispiel unsere Ausrüstungsliste. Das alles werden ich an mir oder im Rucksack mittragen, bei A. wird es ähnlich sein.

Bekleidung:

  • Funktionsunterwäsche
  • Fleecejacke
  • Windstopper
  • Hardshell-Jacke
  • leicht gefütterte Trekkinghose
  • Socken
  • Fingerhandschuh
  • wasserdichten Überhandschuh
  • Mütze
  • Schal/Buff
  • leichten, wasserdichten und warmen Trekkingschuh
  • Ladegeräte
  • Handy

Schlafen:

  • Schlafsack
  • wasserdichten und atmungsaktiven Biwaksack
  • Schlafmatte

Ausrüstung

  • Rucksack
  • Lampe/Stirnlampe
  • Batterien
  • Erste Hilfe und einige Medikamente
  • Sonnenbrille
  • Hygienekram
  • Fettcreme für das Gesicht
  • kleines Handtuch
  • Thermosflasche
  • Taschenmesser

Damit müssten wir zu Rande kommen. Ich tippe mal auf einen 15 Kilogramm schweren Rucksack.

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Eine Stunde Reinhold Messner

Am Dienstag war Reinhold Messner zu Gast bei Markus Lanz (momentan noch in der Mediathek des ZDF zu sehen). Er erzählte dabei nicht nur von seinen bewältigten Expeditionen, sondern auch von Gefühlen, die einem in Extremsituationen begegnen.

Lanz ist als Frager zwar kaum zu ertragen (lassen Sie Ihre Interviewpartner doch mal bitte ausreden), die Antworten sind umso interessanter, vor allem da er sich nicht auf „unterstellte“ Definitionen des Interviewers einlässt, sondern darauf beharrt, seine Sicht der Dinge der Dinge widerzugeben. Natürlich ist es nicht einfach, Gefühle zu beschreiben.

Das Gefühl der Wiedergeburt, nachdem man aus extremen Situationen zurückkommt, Radikalität im Vorgehen, Fehler, Halluzinationen, Aggressionen und Tod waren Themen. Vor allem auch der Unterschied zwischen Sinn- und Nutzlosigkeit. Sinn macht sich jeder selbst, der Nutzen ist nicht bei allen Aktivitäten erkennbar. „Seinen Weg zu finden, ist die Kunst.“